Silikatfarbe auf Lehmputz: Eine Machbarkeitsanalyse
Die Anwendung von Silikatfarbe auf Lehmputz ist eine spezifische Fragestellung im Bereich ökologischer Wandgestaltung, bei der die Kompatibilität der Materialien im Vordergrund steht. Grundsätzlich ist Silikatfarbe auf mineralischen Untergründen wie Lehmputz prinzipiell möglich, erfordert jedoch eine genaue Beachtung der Untergrundeigenschaften und der Farbformulierung. Die Kernfrage dreht sich dabei um die Diffusionsoffenheit und die chemische Reaktion zwischen den Materialien, die bei einer Fehlpaarung zu Haftungsproblemen oder zu einer Beeinträchtigung der Lehmputz-spezifischen Eigenschaften führen kann.
- Silikatfarbe auf Lehmputz ist möglich, erfordert aber spezifische Vorbereitung.
- Die Diffusionsoffenheit ist entscheidend für die Lehmputz-Funktion.
- Bindemittel und Untergrund müssen kompatibel sein.
- Fehler können zu Haftungsproblemen und Beeinträchtigungen führen.
Lehmputz ist bekannt für seine feuchtigkeitsregulierenden und raumluftverbessernden Eigenschaften, die er durch seine hohe Diffusionsoffenheit und Sorptionsfähigkeit erreicht. Silikatfarben, insbesondere die reinen Kaliumsilikatfarben, sind ebenfalls stark diffusionsoffen und mineralisch. Diese Gemeinsamkeit deutet auf eine potenzielle Kompatibilität hin. Dennoch muss die spezifische Zusammensetzung der Silikatfarbe, insbesondere ihr Bindemittel (oft Kaliumsilikat, aber auch organische Anteile in Dispersionssilikatfarben), und die Oberflächenbeschaffenheit des Lehmputzes sorgfältig geprüft werden, um negative Wechselwirkungen auszuschließen und die positiven Eigenschaften beider Materialien zu erhalten.
Die Wahl der richtigen Silikatfarbe ist hierbei von zentraler Bedeutung. Nicht jede Silikatfarbe ist gleichermaßen für jeden mineralischen Untergrund geeignet. Bei Lehmputz spielt die Fähigkeit der Farbe, die Dampfdurchlässigkeit nicht zu stark einzuschränken, eine Schlüsselrolle. Dispersionssilikatfarben beispielsweise enthalten organische Bindemittel, die die Diffusionsoffenheit im Vergleich zu Reinsilikatfarben reduzieren können. Es gilt daher, die genauen Eigenschaften der ausgewählten Produkte im Hinblick auf ihre Tauglichkeit für Lehmputz zu evaluieren und die Herstellerangaben präzise zu befolgen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.
Die grundlegende Kompatibilität von Silikatfarbe und Lehmputz
Lehmputz zeichnet sich durch eine alkalische Reaktion und eine hohe Porosität aus. Silikatfarben basieren auf mineralischen Bindemitteln wie Kaliwasserglas (Kaliumsilikat), das mit dem mineralischen Untergrund (Silikasteinbildung) reagiert und so eine feste Verbindung eingeht. Diese Reaktion, das sogenannte Verkieselung, ist typisch für mineralische Anstriche und erklärt die Langlebigkeit und Robustheit von Silikatfarben auf mineralischen Untergründen. Die hohe Diffusionsoffenheit der Silikatfarbe ist eine essentielle Eigenschaft, um die feuchteregulierende Wirkung des Lehmputzes nicht zu behindern. Die Eigenschaft der Silikatfarbe, die Feuchtigkeit durch die Wand diffundieren zu lassen, ist oft vergleichbar mit der des Lehmputzes selbst.
Die Herausforderung liegt darin, dass Lehmputz zwar mineralisch ist, aber auch organische Anteile enthalten kann und eine spezifische Oberflächenstruktur aufweist. Zudem kann der Lehmputz je nach Zusammensetzung und Vorbehandlung unterschiedliche Bindemittel und Saugfähigkeiten besitzen. Eine unzureichende Saugfähigkeit des Lehmputzes oder eine chemische Inkompatibilität des Bindemittels der Silikatfarbe mit den Inhaltsstoffen des Lehmputzes kann dazu führen, dass die Silikatfarbe nicht richtig anhaftet. Dies äußert sich dann in Form von Abplatzungen, Blasenbildung oder Kreidung der Farbe. Die oberflächliche Beschaffenheit des Lehmputzes, ob grob oder fein, gespachtelt oder strukturiert, beeinflusst ebenfalls die Haftung und den Verbrauch der Farbe.
Eigenschaften der Silikatfarbe: Was macht sie besonders?
Silikatfarben, auch Mineralfarben genannt, unterscheiden sich grundlegend von herkömmlichen Dispersionsfarben durch ihr Bindemittel. Statt auf Kunstharzen basieren sie auf mineralischen Bindemitteln wie Kaliwasserglas (Kaliumsilikat). Dieses reagiert mit dem mineralischen Untergrund (z. B. Beton, Zementputz, Kalkputz oder eben auch Lehmputz mit entsprechender Vorbehandlung) durch Verkieselung zu einer festen, untrennbaren Verbindung. Diese Reaktion sorgt für eine extrem dauerhafte und abriebfeste Oberfläche. Die Eigenschaften der Silikatfarbe umfassen:
- Hohe Diffusionsoffenheit: Ermöglicht Feuchtigkeitstransport durch die Wand.
- Mineralische Bindung: Chemische Reaktion mit dem Untergrund für extreme Haltbarkeit.
- Hohe Alkalität: Wirkt fungizid und vorbeugend gegen Schimmelbildung.
- Umweltfreundlichkeit: Geringe VOC-Emissionen, oft ohne schädliche Konservierungsstoffe.
- Farbstabilität: Lichtecht und vergilbt nicht.
- Matt-Erscheinung: Natürliches, edles Oberflächenbild.
Diese Eigenschaften machen Silikatfarbe zu einer langlebigen und gesunden Wahl für Innenräume. Die Alkalität (pH-Wert > 10) der Silikatfarbe ist ein weiterer wichtiger Faktor. Sie schafft eine basische Oberfläche, die für viele Mikroorganismen wie Schimmelpilze und Algen ungünstig ist, weshalb Silikatfarben oft ohne oder mit sehr geringen Mengen an Bioziden auskommen. Dies ist besonders vorteilhaft in Feuchträumen oder schlecht belüfteten Bereichen. Die matte Oberfläche reflektiert das Licht diffus und schafft eine angenehme Raumatmosphäre, was oft als besonders edel empfunden wird. Die Farbpalette ist bei mineralischen Pigmenten, die beim Verkieselungsprozess stabil bleiben, in der Regel auf natürliche Erdtöne und Pastellfarben beschränkt, obwohl moderne Formulierungen auch kräftigere Farben ermöglichen können. Dies steht im Einklang mit der natürlichen Ästhetik, die oft mit Lehmputz angestrebt wird.
Vor- und Nachteile der Kombination: Silikatfarbe auf Lehmputz
Die Anwendung von Silikatfarbe auf Lehmputz ist keine Standardkombination, aber sie kann durchaus vorteilhaft sein, wenn sie korrekt ausgeführt wird. Die Hauptvorteile ergeben sich aus der Synergie der Eigenschaften beider Materialien:
Vorteile:
- Verbesserte Strapazierfähigkeit: Silikatfarbe ist extrem abriebfest und schmutzresistent, was die Oberfläche des Lehmputzes robuster gegen mechanische Beanspruchung macht.
- Erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit und Schimmel: Die Alkalität der Silikatfarbe bietet einen zusätzlichen Schutz gegen Schimmelbildung, was in bestimmten Räumen von Vorteil sein kann.
- Dauerhafte Farbbrillanz: Mineralische Pigmente in Silikatfarben sind lichtecht und vergilben nicht, was für eine langanhaltende Ästhetik sorgt.
- Hohe Diffusionsoffenheit: Gute Silikatfarben behalten die Atmungsaktivität des Lehmputzes weitgehend bei, sodass die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften erhalten bleiben.
- Ökologische Verträglichkeit: Beide Materialien sind oft emissionsarm und fördern ein gesundes Raumklima.
Die Vorteile sind offensichtlich, doch die Nachteile dürfen nicht übersehen werden:
Nachteile:
- Spezielle Vorbereitung des Untergrunds nötig: Lehmputz kann zu saugfähig oder nicht porös genug sein, was eine Grundierung erfordert, um eine gleichmäßige Saugfähigkeit zu gewährleisten und Haftungsprobleme zu vermeiden.
- Potenzielle Haftungsprobleme: Eine falsche Farbformulierung oder mangelnde Vorbereitung kann zu Abplatzungen oder Kreidung führen.
- Weniger Flexibilität: Im Vergleich zu Silikonharzfarben sind Silikatfarben weniger elastisch und können auf stark strukturgebenden Putzen oder bei Setzrissen anfälliger sein.
- Kosten: Hochwertige Silikatfarben können teurer sein als Standard-Dispersionsfarben.
- Farbtonbeschränkungen: Die Auswahl an intensiven oder sehr dunklen Farbtönen kann bei reinen Silikatfarben begrenzt sein.
Die Entscheidung für diese Kombination sollte daher wohlüberlegt sein und auf einer fundierten Kenntnis der spezifischen Produkte und des Untergrunds basieren. Insbesondere die richtige Wahl der Grundierung spielt eine Schlüsselrolle, um die Haftung zu optimieren und die Eigenschaften des Lehmputzes zu bewahren. Alpina Silikatfarbe oder Caparol Silikatfarbe bieten beispielsweise spezifische Produkte, deren Anwendungshinweise für mineralische Untergründe genauestens zu beachten sind.
Vorbereitung des Lehmputzes für Silikatfarbe
Die korrekte Vorbereitung des Lehmputzes ist der kritischste Schritt, um eine erfolgreiche Anwendung von Silikatfarbe zu gewährleisten. Lehmputz kann in seiner Saugfähigkeit stark variieren, abhängig von seiner Zusammensetzung (z. B. Anteil an Ton, Sand, Lehmzuschlägen) und ob er oberflächlich geglättet, gefilzt oder naturbelassen ist. Eine ungleichmäßige Saugfähigkeit ist der Hauptgrund für Haftprobleme bei mineralischen Anstrichen. Daher ist die Anwendung einer geeigneten Grundierung unerlässlich.
Grundierung: Das Fundament für Silikatfarbe
Für Lehmputz empfiehlt sich in der Regel eine Tiefgrundierung, die speziell für mineralische, stark saugende Untergründe entwickelt wurde. Eine reine Silikat-Grundierung oder eine spezielle Tiefgrundierung auf Kaliwasserglasbasis, die ebenfalls verkieselt, ist oft die beste Wahl. Diese Grundierungen penetrieren tief in den Putz, verfestigen die Oberfläche und reduzieren die Saugfähigkeit auf ein gleichmäßiges Niveau, ohne die Diffusionsoffenheit wesentlich zu beeinträchtigen. Wichtig ist, dass die Grundierung selbst diffusionsoffen bleibt. Sie stellt sicher, dass die Silikatfarbe gleichmäßig aufzieht und eine feste Verbindung eingehen kann, ohne vom Untergrund zu schnell "leergesaugt" zu werden.
Die Grundierung wird in der Regel verdünnt aufgetragen, die genaue Verdünnung hängt vom Produkt und der Saugfähigkeit des Untergrunds ab. Es ist ratsam, dies zunächst an einer unauffälligen Stelle zu testen. Nach dem vollständigen Trocknen der Grundierung (die Trocknungszeiten sind produktabhängig und müssen eingehalten werden) kann die Silikatfarbe aufgetragen werden. Bei sehr glatten oder bereits vorbehandelten Lehmputzoberflächen kann gegebenenfalls auch eine Haftgrundierung erforderlich sein, die eine mikroskopisch raue Oberfläche schafft, auf der die Silikatfarbe besser haften kann. Die Auswahl der richtigen Grundierung ist daher entscheidend und sollte in Absprache mit dem Farbenhersteller oder einem Fachmann erfolgen, um die spezifischen Eigenschaften des Lehmputzes und der Silikatfarbe optimal aufeinander abzustimmen.
Prüfen Sie die Saugfähigkeit des Lehmputzes vor der Grundierung mit einem Wasserabriebtest. Benetzen Sie eine kleine Fläche mit Wasser und beobachten Sie, wie schnell es einzieht. Ein schnelles Einsaugen deutet auf eine hohe Saugfähigkeit hin, die eine sorgfältige Grundierung erfordert.
Die Anwendung von Silikatfarbe auf dem vorbereiteten Lehmputz
Nachdem der Lehmputz fachgerecht grundiert und die Grundierung vollständig getrocknet ist, kann die Silikatfarbe aufgetragen werden. Die Verarbeitung von Silikatfarben erfordert eine spezifische Technik, um optimale Ergebnisse zu erzielen und die Vorteile der mineralischen Anstriche voll auszuschöpfen. Grundsätzlich werden Silikatfarben meist zweifach aufgetragen, um eine deckende und gleichmäßige Oberfläche zu erzielen. Die erste Schicht dient oft als Grundanstrich, die zweite als Deckanstrich.
Verarbeitungsschritte und Technik
1. Erster Anstrich: Die Silikatfarbe wird in der Regel mit Wasser verdünnt, wobei die Verdünnung für den ersten Anstrich oft höher ist als für den zweiten. Die Verdünnung ist entscheidend für die Penetration und Haftung. Die Farbe wird mit einer geeigneten Bürste (z. B. einer Flachhaarpinsel oder einer Silikat-Fassadenbürste) oder einer Rolle aufgetragen. Es ist wichtig, die Farbe nass-in-nass zu verarbeiten und stets in gleichmäßigen Bahnen zu streichen, um Ansätze zu vermeiden. Übermäßiges Rollen oder Streichen sollte vermieden werden, da dies die Verkieselung stören kann. Ziel ist ein gleichmäßiger Auftrag, der gut in den Untergrund eindringt.
2. Trocknungszeit: Zwischen den einzelnen Anstrichen müssen die vom Hersteller angegebenen Trocknungszeiten eingehalten werden. Die Verkieselungsreaktion benötigt Zeit und abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Eine zu frühe Überarbeitung kann die Reaktion beeinträchtigen.
3. Zweiter Anstrich: Für den Deckanstrich wird die Farbe üblicherweise etwas weniger verdünnt aufgetragen. Dies sorgt für eine höhere Deckkraft und eine gleichmäßigere Oberflächenstruktur. Auch hier ist eine gleichmäßige Verarbeitung essenziell. Bei stark saugenden Untergründen kann es notwendig sein, die Farbe für den zweiten Anstrich kaum noch zu verdünnen, um eine ausreichende Schichtdicke und Deckkraft zu erzielen.
Beim Arbeiten mit Silikatfarbe ist es wichtig, Schutzhandschuhe und Arbeitskleidung zu tragen, da die Farbe alkalisch ist und die Haut reizen kann. Außerdem sollten angrenzende Flächen gut abgedeckt werden, da Spritzer schwer zu entfernen sind, sobald die Farbe getrocknet ist. Die Wahl von bio silikatfarbe innen Produkten kann zusätzliche Vorteile in Bezug auf Schadstofffreiheit bieten.
Vergleich: Dispersionssilikatfarbe vs. Reinsilikatfarbe auf Lehmputz
Bei der Wahl der Silikatfarbe für Lehmputz steht man oft vor der Entscheidung zwischen Dispersionssilikatfarben und Reinsilikatfarben (Kali-Silikatfarben). Beide Typen bieten mineralische Vorteile, unterscheiden sich jedoch in ihrer Zusammensetzung und damit auch in ihren Eigenschaften und ihrer Eignung für spezifische Untergründe wie Lehmputz. Die Analyse dieser Unterschiede hilft bei der fundierten Entscheidung.
Dispersionssilikatfarben
Dispersionssilikatfarben, auch als "modifizierte Silikatfarben" bekannt, sind eine Mischung aus Kaliumsilikat als mineralischem Bindemittel und einem geringen Anteil an organischen Bindemitteln (typischerweise weniger als 5%). Diese organischen Zusätze verbessern die Elastizität, die Haftung auf schwierigeren Untergründen und die Verarbeitungseigenschaften. Sie sind oft besser deckend und erfordern keine aufwendige Grundierung wie Reinsilikatfarben. Caparol Silikatfarbe innen kann beispielsweise solche Formulierungen umfassen.
Vorteile auf Lehmputz: Leichtere Verarbeitung, gute Haftung, oft bessere Deckkraft, breitere Farbtonauswahl. Nachteile auf Lehmputz: Geringere Diffusionsoffenheit im Vergleich zu Reinsilikatfarben, da die organischen Anteile die Porenstruktur verändern können.
Reinsilikatfarben (Kali-Silikatfarben)
Reine Silikatfarben basieren ausschließlich auf Kaliumsilikat und mineralischen Pigmenten. Sie sind extrem diffusionsoffen und gehen eine chemische Verbindung mit dem mineralischen Untergrund ein (Verkieselung). Diese Art von Farbe ist ideal für diffusionsoffene Untergründe wie Lehmputz, wenn die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften maximal erhalten bleiben sollen.
Vorteile auf Lehmputz: Maximale Diffusionsoffenheit, ökologisch am reinsten, sehr langlebig durch Verkieselung, hohe Alkalität zur Schimmelprävention. Nachteile auf Lehmputz: Erfordern eine sorgfältige Grundierung, sind weniger elastisch und können schwieriger zu verarbeiten sein, was zu Ansätzen führen kann, wenn man nicht geübt ist. Die Farbtonauswahl ist oft limitiert.
Tabelle: Vergleich der Silikatfarben-Typen auf Lehmputz
| Merkmal | Reinsilikatfarbe | Dispersionssilikatfarbe |
|---|---|---|
| Bindemittel | Kaliumsilikat | Kaliumsilikat + geringe organische Anteile |
| Diffusionsoffenheit | Sehr hoch | Hoch, aber geringer als Reinsilikat |
| Haftung auf Lehmputz | Benötigt sorgfältige Grundierung | Oft gute Haftung, weniger kritisch |
| Verarbeitung | Anspruchsvoller, Gefahr von Ansätzen | Einfacher, bessere Deckkraft |
| Elastizität | Gering | Mittel |
| Oberflächenhärte | Sehr hoch | Hoch |
| Ökologie | Sehr gut, naturrein | Gut, aber mit organischen Anteilen |
| Farbtonauswahl | Begrenzt | Größer |
Für Anwender, die die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften des Lehmputzes maximal erhalten möchten und bereit sind, den Mehraufwand bei der Vorbereitung und Verarbeitung zu leisten, ist die Reinsilikatfarbe oft die erste Wahl. Bio Silikatfarbe innen Produkte sind meist Reinsilikatfarben. Wer eine einfachere Handhabung und möglicherweise eine bessere Deckkraft bevorzugt und dabei auf minimale Abstriche bei der Diffusionsoffenheit verzichten kann, greift eher zur Dispersionssilikatfarbe.
Häufige Fehler und deren Vermeidung
Bei der Anwendung von Silikatfarbe auf Lehmputz können spezifische Fehler auftreten, die zu einer Beeinträchtigung der Oberfläche oder der Funktion führen. Die Kenntnis dieser typischen Stolpersteine ermöglicht es, präventiv zu handeln.
Fehlerquellen und Lösungsansätze
- Fehler: Unzureichende oder falsche Grundierung. Dies führt zu ungleichmäßiger Saugfähigkeit, Haftungsproblemen, Abplatzungen oder Kreidung. Lösung: Immer eine für Lehmputz geeignete Tief- oder Silikat-Grundierung verwenden und die Herstellerangaben genau befolgen. Testen Sie die Saugfähigkeit und die Wirkung der Grundierung an einer unauffälligen Stelle.
- Fehler: Zu schnelles Überarbeiten der Grundierung oder der Farbe. Die Verkieselungsreaktion benötigt Zeit. Zu frühes Überarbeiten stört den Prozess. Lösung: Unbedingt die vom Hersteller empfohlenen Trocknungszeiten zwischen den Arbeitsschritten einhalten.
- Fehler: Übermäßiges Bearbeiten der Oberfläche während des Farbauftrags. Starkes Rollen oder Streichen nach dem Anziehen der Farbe kann die mineralische Bindung schädigen. Lösung: Farbe zügig und gleichmäßig auftragen, nachfolgende Bearbeitung nur im Nass-in-Nass-Zustand und nur so viel wie nötig.
- Fehler: Verwendung ungeeigneter Pigmente oder Additive. Nicht alle Pigmente sind für Silikatfarben geeignet und können die Verkieselung stören oder zu Verfärbungen führen. Lösung: Nur vom Hersteller für Silikatfarben freigegebene Pigmente oder bereits fertig abgetönte Silikatfarben verwenden. Vermeiden Sie das nachträgliche Mischen mit anderen Farbtypen.
- Fehler: Vernachlässigung der Schutzkleidung und Abdeckung. Alkalische Farbe kann Haut und Kleidung angreifen, getrocknete Spritzer sind schwer zu entfernen. Lösung: Grundsätzlich Handschuhe, Schutzbrille und Arbeitskleidung tragen und alle angrenzenden Flächen sorgfältig abkleben und abdecken.
Die Berücksichtigung dieser Punkte minimiert das Risiko von Fehlern erheblich und trägt dazu bei, die Langlebigkeit und Ästhetik der Wandbeschichtung sicherzustellen. Die Wahl einer Qualitätsmarke wie Alpina Silikatfarbe oder Caparol Silikatfarbe kann ebenfalls dazu beitragen, da diese Hersteller oft detaillierte Anwendungshinweise und geprüfte Produkte anbieten.
Langfristige Perspektiven und Pflege von Silikatfarbe auf Lehmputz
Die Entscheidung für Silikatfarbe auf Lehmputz ist oft eine Investition in Langlebigkeit und ein gesundes Raumklima. Die robusten Eigenschaften der Silikatfarbe tragen dazu bei, die Oberfläche über viele Jahre hinweg zu schützen und ihre ästhetische Qualität zu bewahren. Die Pflege ist dabei relativ unkompliziert, erfordert aber ein Verständnis für die mineralische Natur des Anstrichs.
Pflege und Reinigung
Silikatfarben sind aufgrund ihrer mineralischen und verkieselten Oberfläche sehr widerstandsfähig gegen mechanische Beanspruchung und leicht zu reinigen. Leichte Verschmutzungen lassen sich in der Regel mit einem weichen Schwamm und klarem Wasser entfernen. Bei hartnäckigeren Flecken kann eine milde Seifenlauge verwendet werden, wobei darauf zu achten ist, dass die Oberfläche nicht zu stark nass wird oder geschrubbt wird. Aggressive Reinigungsmittel oder scheuernde Materialien sollten vermieden werden, da sie die Oberfläche angreifen und die mineralische Schicht beschädigen könnten.
Aufgrund der hohen Alkalität der Silikatfarbe ist die Oberfläche von Natur aus widerstandsfähig gegen Schimmel. Sollte sich dennoch wider Erwarten Schimmel bilden, kann dieser meist mit einfachem Wasser abgewischt werden. Bei Kalkfarbe auf Silikatfarbe als Überzug ist darauf zu achten, dass die Kalkfarbe selbst empfindlicher ist.
Langlebigkeit und Renovierung
Die Verkieselung zwischen Silikatfarbe und Lehmputz schafft eine extrem dauerhafte Verbindung, die im Vergleich zu vielen Dispersionsfarben Jahrzehnte überdauern kann. Ein Nachstreichen ist daher selten notwendig, es sei denn, es liegt eine starke mechanische Beschädigung vor oder die ästhetischen Vorstellungen ändern sich. Bei einer Renovierung kann die Silikatfarbe in der Regel einfach überstrichen werden, vorausgesetzt, der Untergrund ist tragfähig. Oftmals reicht ein Anstrich mit einer geeigneten Silikatfarbe. Die Entscheidung, ob Kalkfarbe oder Silikatfarbe die bessere Wahl ist, hängt von den spezifischen Anforderungen des Raumes ab; für eine langlebige, robuste Oberfläche ist Silikatfarbe oft überlegen.
Sollte die Silikatfarbe einmal mit einer anderen Farbtechnologie (z. B. einer ollen Dispersionsfarbe) überstrichen worden sein, ist für eine erneute Silikatfarbe eine sorgfältige Untergrundprüfung und eventuell eine spezielle Haftgrundierung notwendig, um die reine mineralische Verbindung wiederherzustellen. Langfristig betrachtet, unterstützt die Kombination von Silikatfarbe auf Lehmputz die Schaffung eines gesunden, langlebigen und ästhetisch ansprechenden Wohnraums, der die Vorteile beider ökologischer Baustoffe optimal nutzt.
Vermeiden Sie das Aufbringen anderer Farbtypen über Silikatfarbe, wenn Sie die Vorteile der mineralischen Oberfläche erhalten möchten. Falls doch nötig, muss der Untergrund intensiv vorbereitet werden.
Die Langlebigkeit und Atmungsaktivität von Silikatfarbe auf Lehmputz beruht auf der sorgfältigen Abstimmung der mineralischen Eigenschaften beider Materialien.
