Grundlagen: Warum Injektionsmörtel und Siebhülse im Lochziegel?
Die Verankerung in Hohlbaustoffen wie Lochziegeln stellt eine besondere technische Herausforderung dar. Herkömmliche Dübel stoßen hier schnell an ihre Grenzen, da sie im porösen Material keinen ausreichenden Halt finden oder durch die Hohlräume hindurchbrechen. Hier kommen spezialisierte Systeme zum Einsatz, die eine sichere und tragfähige Verbindung ermöglichen. Die Kombination aus Injektionsmörtel und einer Siebhülse ist dabei die professionelle Lösung für anspruchsvolle Befestigungen, bei denen hohe Lasten sicher aufgenommen werden müssen oder die geforderten Anwendungsrichtlinien dies vorschreiben.
Das Prinzip hinter dieser Technik ist genial einfach und doch hochgradig effektiv. Der Injektionsmörtel, oft ein zweikomponentiges System (2K Dübel), wird in den Hohlraum des Lochziegels eingebracht. Die Siebhülse fungiert dabei als Hohlraumdübel-Komponente, die den Mörtel im Hohlraum zurückhält und eine formschlüssige Ankerbasis schafft. Ohne die Siebhülse würde der flüssige Mörtel einfach in die einzelnen Kammern des Lochziegels oder gar darüber hinaus fließen und sich nicht zu einer stabilen Masse verfestigen können. Die Siebhülse sorgt dafür, dass der Mörtel sich außerhalb der Hülse im Hohlraum ausbreitet und aushärtet, wodurch er eine stabile Verbindung mit dem Mauerwerk eingeht.
Die Notwendigkeit dieser spezialisierten Systeme ergibt sich aus den physikalischen Eigenschaften von Lochziegeln. Ihre Perforation reduziert das Gewicht und verbessert die thermische Isolation, verringert aber signifikant die Druck- und Zugfestigkeit im Vergleich zu Vollziegeln. Eine fachgerechte Verankerung muss diese Schwachstellen berücksichtigen. Das System aus Injektionsmörtel und Siebhülse ist explizit dafür konzipiert, diese Herausforderungen zu meistern. Es ermöglicht die Übertragung erheblicher Kräfte, sei es durch Windlasten an Fassaden, das Eigengewicht von Anbauteilen oder die mechanische Belastung durch Maschinen und Anlagen.
Die Auswahl des richtigen Injektionsmörtels und der passenden Siebhülse hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Art und dem Querschnitt des Lochziegels, den zu erwartenden Lasten und den Umgebungsbedingungen. Eine präzise Ausführung ist dabei essenziell für die Sicherheit und Langlebigkeit der Verankerung. Die Wahl der richtigen Komponenten ist entscheidend für den Erfolg des Vorhabens.
Die Kombination aus Injektionsmörtel und Siebhülse ist die unverzichtbare Methode für sichere Lastaufnahmen in Lochziegelmauerwerk.
Die Rolle der Siebhülse im Hohlziegel-Verankerungssystem
Die Siebhülse, auch als Lochhülse oder Spreizhülse bezeichnet, ist das zentrale Element, das die Anwendung von Injektionsmörtel in porösen und hohlen Baustoffen überhaupt erst ermöglicht. Ihre primäre Funktion besteht darin, den flüssigen oder pastösen Injektionsmörtel gezielt im Hohlraum des Lochziegels zu halten und ihm eine definierte Form zu geben, während er aushärtet. Sie verhindert, dass der Mörtel in die einzelnen Kammern des Ziegels oder durch die Löcher hindurch entweicht, was zu einer unzureichenden Aushärtung und damit zu einer schwachen Verbindung führen würde.
Konstruktiv besteht eine Siebhülse in der Regel aus einem dünnwandigen Metallrohr, das an beiden Enden offen ist und über eine Vielzahl von Löchern oder Schlitzen verfügt. Diese Perforationen sind entscheidend: Sie erlauben es dem Mörtel, aus der Hülse heraus in den umgebenden Hohlraum zu quellen, um dort eine feste Verbindung mit dem Ziegel einzugehen. Nach dem Aushärten bildet der Mörtel eine Art Kragen oder eine flächige Ausdehnung außerhalb der Hülse, die eine große Angriffsfläche für die Verankerung bietet.
Materialien und Dimensionierung von Siebhülsen
Siebhülsen sind meist aus verzinktem Stahl gefertigt, um Korrosionsbeständigkeit zu gewährleisten. Es gibt sie in verschiedenen Längen, Durchmessern und Wandstärken, um sie an die spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Lochziegels und des Bohrlochs anzupassen. Die richtige Wahl des Durchmessers und der Länge der Siebhülse ist entscheidend für die optimale Verteilung des Mörtels und die spätere Tragfähigkeit. Eine zu kurze Hülse reicht möglicherweise nicht tief genug in den Hohlraum, während eine zu breite Hülse nicht fest genug im Bohrloch sitzt.
Die Größe der Siebhülse muss exakt auf den Innendurchmesser des Bohrlochs und den Außendurchmesser des zu verwendenden Befestigungselements (z. B. Gewindestange, Schraube) abgestimmt sein. Ein typischer Prozess involviert das Einsetzen der Siebhülse in das gebohrte Loch, das Befüllen der Hülse mit Injektionsmörtel von unten nach oben und das anschließende Einführen des Ankers, der den Mörtel durch die Löcher der Hülse nach außen drückt.
Die Siebhülse ist das unverzichtbare Formgebungselement, das den Injektionsmörtel im Hohlraum des Lochziegels fixiert und eine tragfähige Ankerbasis schafft.
Der Injektionsmörtel: Auswahl und Eigenschaften für Lochziegel
Der Injektionsmörtel ist das Bindemittel, das die Siebhülse, den Lochziegel und das einzubauende Objekt untrennbar miteinander verbindet. Für die Verankerung in Lochziegeln kommen in der Regel spezielle, oft zweikomponentige Injektionsmörtel (2K Dübel) zum Einsatz. Diese Mörtelsysteme bieten entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen zementbasierten Mörteln oder Reaktionsharzen, die nicht für Hohlräume optimiert sind.
Der Hauptgrund für die Verwendung von 2K-Systemen liegt in ihrer Fähigkeit, schnell und sicher auszuhärten, auch unter schwierigen Bedingungen wie in feuchten oder kalten Umgebungen. Ein typischer Injektionsmörtel besteht aus zwei Komponenten: einem Harz (z. B. Vinylester, Polyester oder Epoxidharz) und einem Härter. Erst beim Anmischen – oft im separaten Beutel oder durch eine integrierte Mischspitze – beginnen die chemischen Reaktionen, die zur Aushärtung führen. Dies stellt sicher, dass der Mörtel lange verarbeitbar bleibt, bevor er sich verfestigt.
Anforderungen an Injektionsmörtel für Lochziegel
Für Lochziegel sind Mörtel mit einer spezifischen Konsistenz und Haftungseigenschaften ideal. Der Mörtel muss fließfähig genug sein, um sich gut in der Siebhülse und dem umgebenden Hohlraum zu verteilen, aber nicht so flüssig, dass er unkontrolliert entweicht. Zudem sollte er eine gute Haftung auf Ziegelmaterial und der Siebhülse aufweisen, um maximale Lastübertragung zu gewährleisten. Die Aushärtezeiten variieren je nach Produkt und Umgebungstemperatur; für Lochziegel sind oft schnell aushärtende Systeme erwünscht, um einen zügigen Arbeitsfortschritt zu ermöglichen.
Die mechanischen Eigenschaften des ausgehärteten Mörtels sind von höchster Bedeutung. Dazu gehören eine hohe Druckfestigkeit, eine gute Zugfestigkeit und eine ausreichende Scherfestigkeit. Diese Werte sind oft in den technischen Zulassungen der Mörtelsysteme angegeben und sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden. Es gibt Produkte, die speziell für die Anwendung in Mauerwerk mit Hohlräumen zertifiziert sind. Die Wahl eines solchen Systems ist entscheidend, um die zulässigen Lasten sicher aufnehmen zu können.
Ein hochwertiger, zweikomponentiger Injektionsmörtel ist unerlässlich, um eine dauerhaft tragfähige und sichere Verbindung in Lochziegelmauerwerk zu schaffen.
Die Schritt-für-Schritt-Anwendung: Montage von Injektionsmörtel und Siebhülse
Die erfolgreiche Verankerung in Lochziegeln mit Injektionsmörtel und Siebhülse erfordert eine präzise und methodische Ausführung. Jeder Schritt spielt eine Rolle für die Stabilität und Sicherheit der gesamten Konstruktion. Eine sorgfältige Vorbereitung und genaue Einhaltung der Herstellerangaben sind dabei absolut unerlässlich.
Der Prozess beginnt mit der Vorbereitung des Bohrlochs. Dieses muss den vom Mörtelhersteller und der Siebhülse vorgegebenen Durchmesser und die richtige Tiefe aufweisen. Bei Lochziegeln ist es besonders wichtig, dass das Bohrloch sauber und frei von Staub ist, da Staub die Haftung des Mörtels beeinträchtigen kann. Ein Bohren mit Schlag ist bei einigen Lochziegeln zu vermeiden, um ein Ausbrechen des Materials zu verhindern; hier sind schlaglose Bohrverfahren oder spezielle Steinbohrer empfehlenswert.
Schrittweise Montageanleitung
- Bohrloch erstellen: Bohren Sie mit einem geeigneten Bohrer das Loch in der vom Hersteller angegebenen Größe und Tiefe in den Lochziegel.
- Bohrloch reinigen: Reinigen Sie das Bohrloch gründlich mit einer Bohrlochbürste und anschließend mit einem Blasebalg oder Druckluft, um allen Staub zu entfernen.
- Siebhülse einsetzen: Stecken Sie die passende Siebhülse vollständig in das saubere Bohrloch. Sie sollte fest sitzen und nicht wackeln.
- Injektionsmörtel vorbereiten und einfüllen: Bereiten Sie den zweikomponentigen Injektionsmörtel gemäß den Herstellerangaben vor (Mischen der Komponenten). Füllen Sie den Mörtel mit einer Kartuschenpresse von unten nach oben in die Siebhülse ein. Achten Sie darauf, die Hülse vollständig zu füllen und dass der Mörtel auch hinter die Hülse in den Hohlraum gelangt.
- Anker einsetzen: Führen Sie die Gewindestange oder Schraube zügig in den Mörtel in der Siebhülse ein. Drehen Sie den Anker langsam, sodass der Mörtel durch die Löcher der Hülse nach außen gedrückt wird und sich rundherum verteilt. Die Siebhülse dient dabei als Distanzstück.
- Aushärtezeit beachten: Lassen Sie den Mörtel vollständig aushärten. Die Aushärtezeit hängt von der Temperatur ab und ist den Herstellerangaben zu entnehmen. Während der Aushärtung darf das Anbauteil nicht belastet oder bewegt werden.
- Befestigung abschließen: Nach der Aushärtung kann das Anbauteil endgültig montiert und die Last aufgebracht werden.
Die präzise Ausführung jedes einzelnen Schritts der Montage gewährleistet die volle Tragfähigkeit der Verankerung in Lochziegelmauerwerk.
Lasten und Berechnungsgrundlagen für Injektionsanker in Lochziegel
Die Bemessung von Ankerpunkten in Lochziegeln mittels Injektionsmörtel und Siebhülse ist ein komplexer Prozess, der sorgfältige Berechnungen erfordert. Die zulässigen Lasten sind nicht allein durch die Festigkeit des Mörtels oder der Hülse bestimmt, sondern hängen stark von den Eigenschaften des Lochziegels, der Geometrie der Verankerung und der Art der Belastung ab. Eine korrekte Berechnung ist unerlässlich, um die Sicherheit zu gewährleisten und Versagen zu vermeiden.
Bei Lochziegeln sind mehrere Versagensmodi zu berücksichtigen: Das Durchrutschen des Ankers aus dem Mörtel (Ausziehkraft), das Brechen des Mörtels (Druck- oder Scherversagen), das Versagen der Siebhülse, das Ausbrechen von Mörtel aus dem Hohlraum oder dem Ziegel (Randabstand, Achsabstand) und das Versagen des Lochziegels selbst (z. B. Scherversagen des Ziegels oder Herausbrechen des Mörtelkragens).
Bemessungsgrundlagen und Einflussfaktoren
Für die Bemessung stehen in der Regel Bemessungshilfen und Zulassungen der Mörtelhersteller zur Verfügung. Diese basieren oft auf Prüfungen nach internationalen Standards (z. B. ETAG, EOTA, allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen). Die zulässigen Lasten für Injektionsmörtel werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst:
- Zulassungen des Systems: Nur zugelassene Mörtelsysteme dürfen für tragende Anwendungen eingesetzt werden.
- Art und Abmessungen des Lochziegels: Verschiedene Lochgeometrien und Ziegelmaterialien haben unterschiedliche Tragfähigkeiten.
- Durchmesser und Länge der Siebhülse: Beeinflusst die Mörtelverteilung und die Ankerfläche.
- Bohrdurchmesser und -tiefe: Kritisch für die richtige Mörtelmenge und Ausdehnung.
- Lastrichtung: Zug-, Druck- und Schubkräfte haben unterschiedliche Auswirkungen.
- Rand- und Achsabstände: Die Nähe zu Kanten und anderen Ankerpunkten reduziert die Tragfähigkeit.
- Umgebungsbedingungen: Temperatur, Feuchtigkeit und chemische Einflüsse können die Aushärtung und Langzeitbeständigkeit beeinflussen.
Es ist ratsam, bei kritischen Anwendungen oder wenn die genauen Eigenschaften des Lochziegels unbekannt sind, Fachberatung in Anspruch zu nehmen oder geprüfte Lasttabellen zu verwenden, die vom Systemhersteller bereitgestellt werden. Diese Tabellen listen die maximal zulässigen Lasten für verschiedene Lochziegeltypen und Ankerkonfigurationen auf.
Die korrekte Bemessung von Injektionsankern in Lochziegeln erfordert die Berücksichtigung vielfältiger Faktoren und sollte stets auf validierten Systemzulassungen basieren.
Häufige Fehlerquellen und wie man sie vermeidet
Auch bei einem bewährten System wie Injektionsmörtel und Siebhülse in Lochziegeln können Anwendungsfehler auftreten, die die Sicherheit und Tragfähigkeit der Verankerung erheblich beeinträchtigen. Das Erkennen und Vermeiden dieser typischen Fehlerquellen ist entscheidend für eine zuverlässige Installation.
Einer der häufigsten Fehler ist die unzureichende Reinigung des Bohrlochs. Staub und Schmutz im Loch behindern die direkte Haftung des Mörtels an der Ziegelwand und der Siebhülse. Dies kann dazu führen, dass der Mörtel sich ablöst und das gesamte System versagt. Die Verwendung einer zu kleinen oder zu großen Siebhülse für das nächste Problem darstellen. Ist sie zu klein, kann sie das Bohrloch nicht richtig ausfüllen; ist sie zu groß, sitzt sie eventuell nicht fest genug und der Mörtel kann hinter der Hülse vorbeiströmen. Die richtige Dimensionierung ist daher von größter Wichtigkeit.
Vermeidung kritischer Anwendungsfehler
- Unzureichende Bohrlochreinigung: Stets gründlich bürsten und blasen/saugen, bis das Loch staubfrei ist.
- Falsche Siebhülse: Verwenden Sie nur Siebhülsen, die exakt zum Bohrlochdurchmesser und zum Befestigungselement passen. Die Herstellerangaben sind hier verbindlich.
- Fehlerhafte Mörtelvorbereitung: Ungenaues Mischen der Komponenten beim 2K-Mörtel führt zu schlechter Aushärtung. Achten Sie auf exakte Mischungsverhältnisse und ausreichende Mischdauer.
- Unharmonische Mörtelfüllung: Das Loch muss von unten nach oben lückenlos gefüllt werden. Ein ungleichmäßiges Befüllen oder nicht genügend Mörtel führt zu Hohlstellen.
- Zu frühe Belastung: Das Anbauteil darf während der Aushärtung des Mörtels keinesfalls bewegt oder belastet werden. Die vorgegebenen Aushärtezeiten müssen strikt eingehalten werden.
- Falsche Auswahl des Injektionsmörtels: Nicht jeder Injektionsmörtel ist für Lochziegel geeignet. Verwenden Sie nur Mörtel mit entsprechender Zulassung für diese Anwendung.
- Unzureichende Rand- oder Achsabstände: Das Ignorieren der vom Hersteller vorgegebenen Mindestabstände kann zu Scherbrüchen oder dem Ausbrechen von Ziegelteilen führen.
Ein weiterer kritischer Punkt ist das Versäumnis, die spezifischen Eigenschaften des verwendeten Lochziegels zu berücksichtigen. Nicht alle Lochziegel sind gleich; ihre Tragfähigkeit und ihr Verhalten unter Last variieren erheblich. Eine allgemeine Annahme ohne Prüfung kann zu falschen Bemessungen führen.
Eine sorgfältige Befolgung der Montageanleitung und die Berücksichtigung der Materialspezifika sind der Schlüssel zur Vermeidung von Fehlern bei der Verankerung in Lochziegeln.
Lochziegel-Spezifika: Was macht die Verankerung hier so anspruchsvoll?
Lochziegel sind aus gutem Grund weit verbreitet: Sie bieten eine gute Wärmedämmung, sind relativ leicht und lassen sich gut verarbeiten. Ihre charakteristische Lochung – sei es quer oder längs – birgt jedoch spezifische Herausforderungen für jede Art von Verankerung. Im Gegensatz zu massivem Vollziegelmauerwerk, bei dem die Last über den gesamten Stein verteilt wird, konzentriert sie sich bei Lochziegeln auf die Stege und die äußeren Wandungen. Dies macht sie anfälliger für lokale Überlastungen und Brüche.
Bei der Verankerung mit herkömmlichen Schraub- oder Spreizdübeln besteht das Risiko, dass der Dübel im Hohlraum keinen Halt findet. Der Spreizdruck des Dübels wirkt sich nicht auf eine massive Wand aus, sondern auf die dünnen Stege des Lochziegels, die leicht beschädigt werden können. Im schlimmsten Fall bricht der Dübel durch den Lochziegel hindurch, oder die dünnen Wände des Ziegels zermahlen sich unter dem Druck des Dübels, was zu einem vollständigen Verlust der Haltekraft führt.
Die Komplexität der Lastübertragung in Hohlräumen
Der Injektionsmörtel in Kombination mit einer Siebhülse löst dieses Problem, indem er eine Art künstlichen Vollkörpers im Hohlraum schafft. Die Siebhülse sorgt dafür, dass sich der Mörtel ausdehnt und den Hohlraum ausfüllt, wodurch eine größere Fläche zur Verfügung steht, um die Lasten aufzunehmen. Der Mörtel bildet nach dem Aushärten eine massive, formstabile Einheit, die direkt mit den Ziegelstege verbunden ist. Die Siebhülse selbst wird zu einem integralen Bestandteil dieser Einheit.
Die Herausforderung liegt darin, dass die Hohlräume des Lochziegels nicht immer einheitlich sind. Die Größe, Form und Verteilung der Löcher variieren je nach Hersteller und Produktlinie. Dies erfordert eine präzise Abstimmung der Siebhülse und der Mörtelmenge, um eine vollständige und gleichmäßige Ausfüllung und Verbindung zu gewährleisten. Die Hohlräume können auch mit Mörtelresten oder anderen Materialien gefüllt sein, was die Haftung beeinträchtigen kann.
Ein weiteres Problem ist die oft geringere Rohdichte von Lochziegeln im Vergleich zu Vollziegeln. Dies beeinflusst deren Druckfestigkeit und damit die Fähigkeit, die Kräfte, die auf die Verankerung wirken, aufzunehmen und weiterzuleiten. Daher ist die Bemessungsgrundlage für Lochziegel immer konservativer anzusetzen als für Vollziegel.
Die spezifische Hohlraumstruktur von Lochziegeln erfordert spezialisierte Verankerungssysteme wie Injektionsmörtel mit Siebhülse, um eine sichere und dauerhafte Lastübertragung zu gewährleisten.
Vergleich: Injektionsmörtel-Systeme für verschiedene Hohlbaustoffe
Die Technologie des Injektionsmörtels und der Siebhülsen ist nicht exklusiv für Lochziegel konzipiert, sondern bietet Lösungen für eine breite Palette von Hohlbaustoffen. Die Wahl des Systems variiert jedoch je nach Art des Mauerwerks, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Für Hohlblöcke aus Beton oder Porenbeton, die oft größere und gleichmäßigere Hohlräume aufweisen als Lochziegel, kommen ebenfalls Siebhülsen zum Einsatz. Diese sind in der Regel robuster und haben andere Lochmuster, um die spezifischen Hohlraumdimensionen und die Oberflächenbeschaffenheit des Materials zu berücksichtigen. Der Injektionsmörtel muss hier ebenfalls gute Hafteigenschaften besitzen, aber die Ausdehnung im Hohlraum kann anders erfolgen als bei den feineren Kammern von Lochziegeln.
Spezifische Anpassungen für unterschiedliche Hohlbaustoffe
Bei leichten Hohlwänden aus Gipskarton oder Holzwerkstoffen werden oft spezielle Kunststoffdübel mit integrierten Gewindegängen oder Hohlraumdübel mit großflächigen Spreizflügeln verwendet, die sich hinter der Platte verkrallen. In manchen Fällen können auch Injektionsmörtel mit speziellen, meist flexibleren Siebhülsen oder Ankerkörben eingesetzt werden, die sich dem Hohlraum besser anpassen. Hier ist die Last, die aufgenommen werden kann, naturgemäß geringer als bei mineralischen Baustoffen.
Im Vergleich dazu sind Lochziegel oft dichter und bieten eine rauere Oberfläche als glatter Porenbeton, was die Haftung des Mörtels begünstigen kann. Die feine Perforation erfordert jedoch die Verwendung von Siebhülsen, die den Mörtel präzise zurückhalten und eine gleichmäßige Verteilung ermöglichen. Bei extrem porösen Ziegelarten, wie z. B. Bimshochziegeln, kann es notwendig sein, spezielle Mörtelmischungen zu verwenden, die eine noch höhere Haftung aufweisen oder eine schnellere Aushärtung ermöglichen, um ein Absacken des Mörtels zu verhindern.
Die Auswahl des richtigen Systems – sei es für Lochziegel, Hohlblocksteine, Porenbeton oder andere Hohlbaustoffe – hängt von folgenden Kriterien ab:
- Typ des Hohlbaustoffs (Dichte, Porosität, Hohlraumstruktur)
- Größe und Beschaffenheit der Hohlräume
- Zu erwartende Lasten (Zug, Scherung)
- Umgebungsbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit)
- Erforderliche Aushärtezeit
Die Systeme, die für Lochziegel optimiert sind, wie die beschriebene Kombination aus Injektionsmörtel und Siebhülse, sind darauf ausgelegt, die spezifischen Herausforderungen dieses Mauerwerktyps zu meistern und eine zuverlässige Verbindung zu schaffen.
Die Wahl des Injektionsmörtel-Systems muss an die spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Hohlbaustoffs angepasst werden, um eine optimale und sichere Verankerung zu gewährleisten.
Zulassungen und Normen für Verankerungen in Mauerwerk
Die Sicherheit von Bauwerken hat höchste Priorität, und dies gilt insbesondere für Verankerungssysteme, die tragende Lasten aufnehmen. Im Bereich der Mauerwerksverankerung, speziell bei Hohlbaustoffen wie Lochziegeln, sind strenge Zulassungs- und Normierungsverfahren unerlässlich, um die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Produkte zu gewährleisten.
Die für Injektionsmörtel und Siebhülsen im Mauerwerksbau relevanten Zulassungen stammen meist von europäischen oder nationalen Bauaufsichtsbehörden. Die wichtigste europäische Richtlinie ist die ETAG (European Technical Approval Guideline), die durch die EOTA (European Organisation for Technical Assessment) entwickelt wird. Systeme, die nach diesen Richtlinien geprüft wurden, erhalten eine Europäische Technische Bewertung (ETA), die ihre Eignung für bestimmte Anwendungen bescheinigt. Diese ETAs sind die Grundlage für die CE-Kennzeichnung, die dem Anwender garantiert, dass das Produkt getestet wurde und bestimmte Leistungskriterien erfüllt.
Relevante Normen und ihre Bedeutung
Für die Bemessung von Verankerungen in Mauerwerk sind spezifische Normen maßgebend. In Europa sind dies häufig die EN-Normen, die sich mit den Bemessungsverfahren und Prüfmethoden für Befestigungen im Beton und im Mauerwerk befassen. Beispielsweise die EN 1992-4 (Eurocode 2: Bemessung und Konstruktion von Stahl- und Betonbauwerken – Teil 4: Bemessung von Verankerungen für Beton) und die EN 1996 (Eurocode 6: Bemessung und Konstruktion von Mauerwerksbauten) bilden die theoretische Grundlage für die Berechnung. Die tatsächlichen Anwendungsrichtlinien und Lasttabellen werden jedoch in der Regel von den Herstellern der jeweiligen Verankerungssysteme in ihren ETAs bereitgestellt.
Die Zulassung eines Injektionsmörtel-Systems für Lochziegel bedeutet konkret, dass das System nachweislich:
- Die erforderliche Aushärtezeit und Festigkeit erreicht.
- Die notwendigen mechanischen Eigenschaften (Zug-, Scher-, Druckfestigkeit) für die jeweilige Anwendung aufweist.
- Mit den spezifizierten Siebhülsen und Ankerstangen kompatibel ist.
- Sichere Lasten für definierte Lochziegeltypen und Bohrdurchmesser ermöglicht.
- Beständig gegen Umwelteinflüsse wie Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen ist.
Für den Anwender ist es daher essenziell, stets Produkte zu wählen, die über eine gültige Zulassung für die geplante Anwendung verfügen. Diese Zulassungen sind das einzige Kriterium, das eine verlässliche Aussage über die Tragfähigkeit und Sicherheit der Verankerung in kritischen Bauteilen wie Lochziegeln erlaubt. Ohne eine solche Zulassung sind die erzielten Lastwerte nicht verifizierbar und die Sicherheit der Konstruktion ist nicht gewährleistet.
Die Auswahl von zugelassenen Injektionsmörtel-Systemen mit Siebhülsen ist für sichere Verankerungen in Lochziegeln zwingend erforderlich und durch Normen und technische Zulassungen geregelt.
