Was ist Haftgrund und warum ist er für Lacke unverzichtbar?

Haftgrund ist eine spezielle Grundierung, die entwickelt wurde, um die Haftung von nachfolgenden Beschichtungen wie Lacken oder Farben auf schwierigen Oberflächen signifikant zu verbessern. Er fungiert als Bindeglied, das die Oberflächenspannung des Untergrunds modifiziert und eine makroskopisch sowie mikroskopisch raue Oberfläche schafft, auf der sich der Lack besser verankern kann. Ohne geeigneten Haftgrund kann es zu Ablösungen, Blasenbildung oder ungleichmäßiger Farbverteilung kommen, insbesondere auf Materialien wie Glas, Metall, Kunststoff oder geflieste Oberflächen, die von Natur aus glatt und nicht saugfähig sind.

Die primäre Funktion von Haftgrund ist die Schaffung einer chemischen und physikalischen Verbindung, die eine dauerhafte und robuste Beschichtung sicherstellt. Er gleicht Unterschiede in der Oberflächenenergie aus, sodass der nachfolgende Lack nicht abperlt, sondern eine feste Bindung eingeht. Dies ist gerade bei modernen Lacken, die oft dünner und elastischer formuliert sind, von großer Bedeutung. Die Investition in eine qualitativ hochwertige Haftgrundierung ist daher ein entscheidender Schritt für die Langlebigkeit und Ästhetik jeder Lackierung.

  • Verbessert die Haftung von Lacken auf schwierigen Untergründen.
  • Schafft eine chemische und physikalische Verbindung zur Oberfläche.
  • Verhindert Ablösungen, Blasenbildung und ungleichmäßigen Auftrag.
  • Essentiell für glatte, nicht saugfähige Materialien wie Glas, Metall und Kunststoff.

Die Notwendigkeit von Haftgrund ergibt sich aus den unterschiedlichen Eigenschaften von Untergründen und Beschichtungen. Während manche Materialien, wie unbehandeltes Holz, von Natur aus porös sind und Lack gut aufnehmen, bieten andere wie Glas oder glatte Kunststoffe kaum Haftungspunkte. Hier schließt der Haftgrund die Lücke. Er bereitet die Oberfläche so vor, dass sie für den nachfolgenden Lack optimal vorbereitet ist, was die Anwendungsbreite von Lacken erheblich erweitert.

Die Rolle von Haftgrund in der Oberflächenvorbereitung

Im Rahmen der Oberflächenvorbereitung ist der Haftgrund oft der letzte Schritt vor dem eigentlichen Lackauftrag, der direkt auf die Grundierung erfolgt. Seine Bedeutung liegt darin, dass er die oft unzureichende Haftung des Lacks auf dem direkten Untergrund überwindet. Dies ist besonders relevant, wenn ein glattes Material wie eine Fliese oder eine Metalloberfläche lackiert werden soll, die sonst eine sehr schlechte Haftung für Lacke bietet. Der Haftgrund schafft hier eine rauere, chemisch aktivere Oberfläche, die eine solide Basis für die nachfolgende Lackschicht bildet.

Darüber hinaus kann Haftgrund auch dazu beitragen, kleine Unebenheiten auszugleichen oder die Saugfähigkeit eines Untergrunds zu vereinheitlichen, was zu einem gleichmäßigeren Lackbild führt. Bei der Wahl des richtigen Produkts ist es entscheidend, die spezifischen Anforderungen des Untergrunds und des verwendeten Lacks zu berücksichtigen, um die bestmögliche Kompatibilität und Leistung zu erzielen. Die sorgfältige Auswahl und Anwendung des Haftgrunds ist somit kein optionaler Schritt, sondern eine kritische Komponente für den Erfolg eines jeden Lackierprojekts.

Anwendungsbereiche und geeignete Untergründe für Haftgrund

Haftgrund ist ein vielseitiges Produkt, dessen Einsatz auf einer breiten Palette von Oberflächen sinnvoll ist, insbesondere dort, wo herkömmliche Grundierungen oder Lacke Schwierigkeiten haben würden, eine dauerhafte Haftung zu erzielen. Zu den typischen Anwendungsbereichen zählen die Lackierung von Kunststoffen im Automobilbereich (z.B. Stoßfänger, Armaturenbretter), die Beschichtung von Glasflächen (z.B. Vasen, Fliesen), die Vorbereitung von Metalloberflächen (z.B. Stahl, Aluminium, verzinktes Blech) sowie die Renovierung von gefliesten Oberflächen in Bädern oder Küchen. Auch auf glatten Hölzern, die mit alten Lackschichten versehen sind, kann Haftgrund eine bessere Basis schaffen.

Die Wahl des richtigen Haftgrunds hängt stark vom zu beschichtenden Material ab. Für Kunststoffe sind spezielle Kunststoff-Haftgründe erforderlich, die in der Lage sind, die Oberfläche chemisch anzulösen, ohne sie anzugreifen. Bei Metallen muss der Haftgrund oft zusätzlich Korrosionsschutz-Eigenschaften mitbringen oder für die spätere Behandlung mit lösemittelhaltigen Lacken geeignet sein. Auf glatten, nicht-saugfähigen Oberflächen wie Glas oder Keramikfliesen werden Haftgründe eingesetzt, die eine extreme Haftung aufbauen, oft auf Basis von Silanen oder speziellen Polymeren.

Spezifische Untergründe und ihre Anforderungen

Betonoberflächen können von einem Haftgrund profitieren, der speziell für mineralische Untergründe entwickelt wurde. Dieser dringt tief ein, bindet feine Staubpartikel und schafft eine feste, gleichmäßig saugfähige Oberfläche für nachfolgende Beschichtungen wie Bodenfarben oder Putze. Ein Haftgrund auf Beton muss robust sein und eine hohe Alkalibeständigkeit aufweisen, um mit dem zementären Untergrund zu harmonieren.

Bei Estrichböden ist die Anforderung ähnlich. Ein guter Haftgrund für Estrich verhindert das Aufsteigen von Feuchtigkeit und bindet die Oberfläche, was für die Verlegung von Bodenbelägen oder das Auftragen von Epoxidharzbeschichtungen unerlässlich ist. Die Vorbereitung von Estrich ist entscheidend, da dieser Untergrund oft sehr glatt und staubig sein kann.

Die Anwendung von Haftgrund auf Latexfarbe oder anderen glatten, nicht saugfähigen Wandfarben ist eine häufige Herausforderung. Hier ist ein spezieller Haftgrund gefragt, der auch auf solchen Oberflächen Halt findet. Ohne diesen Haftgrund würden nachfolgende Anstriche, insbesondere disperionsbasierte, leicht abplatzen. Es gilt, einen Haftgrund zu wählen, der die Oberfläche nicht chemisch angreift, aber dennoch eine makellose Haftung ermöglicht.

Betrachtet man Haftgrund auf Fliesen, wird deutlich, wie wichtig die richtige Produktwahl ist. Fliesen sind extrem glatt und nicht saugfähig. Ein Fliesen-Haftgrund muss eine hohe Klebekraft aufweisen, um eine dauerhafte Verbindung zu schaffen, bevor eine neue Fliesenbeschichtung oder ein anderer Oberflächenschutz aufgetragen wird. Das Ziel ist immer, eine Oberfläche zu schaffen, die dem Lack eine „Brücke“ bietet, auf der er sich festsetzen kann, was bei glatten Materialien nicht von Natur aus gegeben ist.

Auswahlkriterien für den richtigen Haftgrund

Die Auswahl des passenden Haftgrunds ist ein kritischer Schritt, der maßgeblich über den Erfolg einer Lackierung entscheidet. Mehrere Faktoren müssen hierbei bedacht werden: Zunächst ist die Art des Untergrunds der wichtigste Anhaltspunkt. Handelt es sich um Kunststoff, Metall, Glas, geflieste Oberflächen, Beton oder bereits behandelte Altanstriche? Jeder dieser Materialien benötigt spezifische Haftvermittler, die auf seine chemische und physikalische Beschaffenheit abgestimmt sind. Ein universeller Haftgrund existiert praktisch nicht für alle Anwendungsfälle.

Zweitens ist die Kompatibilität mit dem nachfolgenden Lack von essenzieller Bedeutung. Manche Haftgründe sind für wasserbasierte Lacke optimiert, andere für lösemittelhaltige oder sogar spezielle Systeme wie 2-Komponenten-Lacke. Eine falsche Kombination kann dazu führen, dass der Haftgrund angegriffen wird oder die Haftung zwischen Haftgrund und Lack mangelhaft ist. Lesen Sie stets die technischen Merkblätter beider Produkte.

Technische Spezifikationen und Inhaltsstoffe

Die Zusammensetzung des Haftgrunds gibt Aufschluss über seine Leistungsfähigkeit. Produkte, die auf Acryl-, Epoxid- oder Polyurethanbasis formuliert sind, bieten oft eine sehr gute Haftung und Beständigkeit. Spezielle Additive wie Silane können die Haftung auf Glas und Keramik verbessern, während Pigmente wie Zinkphosphat zusätzlichen Korrosionsschutz auf Metallen bieten können. Die Partikelgröße und -verteilung des Bindemittels beeinflussen ebenfalls, wie gut der Haftgrund in mikroskopische Unebenheiten eindringen kann.

Beachten Sie die Trocknungszeit und die Aushärtebedingungen. Einige Haftgründe trocknen schnell an, benötigen aber eine längere Zeit, um ihre volle Haftfestigkeit zu entwickeln. Extreme Temperaturen oder hohe Luftfeuchtigkeit während der Trocknungsphase können die Leistung beeinträchtigen. Die richtige Temperatur und Belüftung sind daher entscheidend für die optimale Wirkung des Produkts. Prüfen Sie, ob der Haftgrund für Innen- oder Außenanwendungen konzipiert ist, da dies seine Wetter- und UV-Beständigkeit beeinflusst.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Farbgebung des Haftgrunds. Während viele Haftgründe transparent oder weißlich sind, gibt es auch farbige Varianten. Ein farbiger Haftgrund kann von Vorteil sein, wenn die Endfarbe des Lacks hell ist oder wenn eine gleichmäßige Deckung durch den Haftgrund unterstützt werden soll, beispielsweise auf dunklen Untergründen, die mit einem hellen Lack überarbeitet werden. Die Wahl kann auch davon abhängen, ob der Haftgrund als einzige Grundierung dient oder ob noch weitere Schichten folgen.

Pro-Tipp: Testen Sie den gewählten Haftgrund immer zuerst an einer unauffälligen Stelle. Dies ist besonders wichtig bei empfindlichen Materialien wie Kunststoffen oder alten Lackschichten, um sicherzustellen, dass der Haftgrund die Oberfläche nicht beschädigt und sich gut mit dem nachfolgenden Lack verträgt. So vermeiden Sie kostspielige Fehler.

Der richtige Auftrag von Haftgrund – Schritt für Schritt

Der korrekte Auftrag von Haftgrund ist entscheidend, um seine volle Wirkung zu entfalten. Beginnen Sie stets mit einer gründlichen Reinigung und Vorbereitung der Oberfläche. Diese muss frei von Staub, Fett, Öl, Silikonrückständen und anderen Verunreinigungen sein. Je nach Untergrund können Schleifen (mit feinem Schleifpapier), Entfetten mit speziellen Reinigern oder Abwaschen notwendig sein. Eine unzureichende Vorbereitung ist einer der häufigsten Gründe für mangelnde Haftung, selbst bei Verwendung eines geeigneten Haftgrunds.

Nachdem die Oberfläche sauber und trocken ist, tragen Sie den Haftgrund gemäß den Herstellerangaben auf. Dies kann mit einem Pinsel, einer Rolle oder durch Spritzen geschehen. Die Wahl des Werkzeugs hängt von der Größe und Beschaffenheit der Fläche sowie von der Viskosität des Haftgrunds ab. Achten Sie auf eine gleichmäßige Schichtdicke. Zu dicke Schichten können zu Läufern führen und die Trocknungszeit verlängern, während zu dünne Schichten möglicherweise keine ausreichende Haftvermittlung gewährleisten.

Vorbereitung und Reinigung des Untergrunds

Die gründliche Reinigung ist der Grundstein für jede erfolgreiche Beschichtung. Entfernen Sie lose Partikel wie Staub, Schmutz oder alte, abblätternde Anstriche. Verwenden Sie für die Entfettung einen geeigneten Reiniger, der keine Rückstände hinterlässt. Bei Metallen ist Rostschutzbehandlung oft unerlässlich, bevor der Haftgrund aufgetragen wird. Bei Kunststoffen kann es ratsam sein, die Oberfläche leicht anzuschleifen, um eine mechanische Haftung zu unterstützen, sofern dies vom Hersteller empfohlen wird.

Nach der Reinigung muss die Oberfläche vollständig trocknen. Feuchtigkeit kann die Haftung des Haftgrunds beeinträchtigen und zu unerwünschten Reaktionen führen. Prüfen Sie, ob der Untergrund nach der Reinigung noch saugfähig ist, oder ob er durch alte Beschichtungen versiegelt wurde. Diese Informationen sind entscheidend für die Wahl des richtigen Haftgrunds.

Auftragstechniken und Trocknungszeiten

Haftgrund auftragen erfolgt typischerweise in dünnen, gleichmäßigen Schichten. Bei der Pinsel- oder Rollenapplikation ist darauf zu achten, dass keine Streifen oder ungleichmäßigen Stellen entstehen. Beim Spritzen ist die richtige Düsengröße und der optimale Spritzdruck entscheidend, um eine feine Zerstäubung und eine gleichmäßige Benetzung der Oberfläche zu erzielen. Halten Sie den Spritzabstand konstant.

Die vom Hersteller angegebene Trocknungszeit ist von größter Wichtigkeit. Ein Haftgrund muss oft eine gewisse Zeit antrocknen oder aushärten, bevor der nächste Schritt – der eigentliche Lackauftrag – erfolgen kann. Ein zu frühes Überlackieren kann dazu führen, dass der Haftgrund aufweicht und seine Funktion verliert. Umgekehrt darf die angegebene maximale Überarbeitungszeit nicht überschritten werden, da die Haftung sonst wieder abnehmen kann.

Wichtiger Hinweis: Haftgrund ist in der Regel nicht dazu gedacht, als Endbeschichtung zu dienen. Er ist eine funktionale Schicht, die für die Haftung optimiert ist, aber oft nicht die gewünschte optische oder schützende Endwirkung hat. Daher muss nach dem Haftgrund immer eine oder mehrere Schichten des gewünschten Lacks aufgetragen werden, um das finale Ergebnis zu erzielen.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Obwohl Haftgrund ein relativ einfach anzuwendendes Produkt ist, gibt es einige häufige Fehler, die die Wirksamkeit beeinträchtigen und zu schlechten Ergebnissen führen können. Einer der gravierendsten Fehler ist die unzureichende Vorbereitung der Oberfläche. Eine nur oberflächlich gereinigte oder entfettete Fläche birgt das Risiko, dass der Haftgrund nicht optimal haften kann. Staub, Fett, Silikonreste oder alte, nicht entfernte Beschichtungen sind ein echtes Problem.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die falsche Produktauswahl. Die Verwendung eines Haftgrunds, der nicht für den spezifischen Untergrund oder den nachfolgenden Lacktyp geeignet ist, führt unweigerlich zu Problemen. Beispielsweise kann ein Kunststoff-Haftgrund auf Metall nicht die gewünschte Haftung erzielen, oder ein Haftgrund für lösemittelhaltige Lacke kann durch einen wasserbasierten Decklack angelöst werden. Das Lesen der technischen Datenblätter ist hier unerlässlich, um sicherzustellen, dass Haftgrund und Lack eine harmonische Einheit bilden.

Fehler bei der Anwendung

Zu dicker oder zu dünner Auftrag sind ebenfalls häufige Anwendungsfehler. Ein zu dicker Auftrag kann zu Läufern und einer verlängerten Trocknungszeit führen, was die nachfolgende Lackierung stören kann. Ein zu dünner Auftrag hingegen bietet möglicherweise nicht genügend Haftfläche. Die Herstellerangaben zur Schichtdicke und zum Verbrauch pro Quadratmeter sollten daher genau beachtet werden.

Die Missachtung der Trocknungszeiten ist ein weiterer kritischer Fehler. Wird der Lack zu früh aufgetragen, bevor der Haftgrund ausreichend abgebunden hat, kann die Haftung beeinträchtigt werden. Umgekehrt kann die Überschreitung der maximalen Überarbeitungszeit dazu führen, dass die Oberfläche des Haftgrunds nicht mehr optimal für die Haftung ist. Es ist wichtig, die empfohlenen Wartezeiten zwischen den einzelnen Arbeitsschritten einzuhalten.

Die Anwendung bei ungeeigneten Umgebungsbedingungen – wie zu niedrigen oder zu hohen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit oder Zugluft – kann die Aushärtung des Haftgrunds negativ beeinflussen und somit die Haftungskompetenz schwächen. Arbeiten Sie immer in einem temperierten, gut belüfteten Bereich, der den Herstellerempfehlungen entspricht.

Pro-Tipp: Halten Sie immer die originalen Gebinde des Haftgrunds und des Lacks bereit. So können Sie jederzeit die genauen Produktbezeichnungen und Herstellerangaben nachschlagen, falls Unklarheiten bezüglich der Anwendung oder Kompatibilität auftreten.

Haftgrund und Lack: Die chemische Bindung verstehen

Die Leistung eines Haftgrunds für Lacke beruht auf komplexen chemischen und physikalischen Prinzipien, die sicherstellen, dass zwei grundsätzlich inkompatible Materialien – der Untergrund und der Lack – eine starke und dauerhafte Verbindung eingehen. Im Wesentlichen agiert der Haftgrund als eine Art „molekularer Klebstoff“, der auf beiden Seiten anhaftet: einerseits am Substrat und andererseits an der Lackschicht.

Auf molekularer Ebene verringert der Haftgrund die Oberflächenspannung des Untergrunds. Glatte, nicht-saugfähige Oberflächen weisen oft eine hohe Oberflächenenergie auf, die dazu führt, dass flüssige Materialien wie Lacke abperlen. Ein Haftgrund modifiziert diese Energie, indem er Moleküle freisetzt oder bindet, die eine bessere Benetzung und somit eine tiefere Penetration in winzige Poren oder Unebenheiten des Untergrunds ermöglichen. Dies schafft eine makroskopisch und mikroskopisch vergrößerte Haftfläche.

Physikalische Haftung und chemische Vernetzung

Die physikalische Haftung entsteht durch sogenannte Van-der-Waals-Kräfte und mechanische Verklammerung. Der Haftgrund dringt in die Poren des Untergrunds ein und bildet nach dem Trocknen eine feste Schicht. Wenn der Lack aufgetragen wird, benetzt dieser die Oberfläche des trockenen Haftgrunds. Die Moleküle des Lacks verbinden sich dann mit der Oberfläche des Haftgrunds, oft durch ähnliche Kräfte oder durch eine chemische Reaktivität, die durch die Formulierung des Haftgrunds induziert wird.

Bei vielen modernen Haftgründen spielen auch chemische Reaktionen eine Rolle. Spezielle Haftgründe enthalten Reaktivgruppen, die mit den Molekülen des Untergrunds (z.B. Hydroxylgruppen auf Holz oder Metalloxiden) oder des Lacks reagieren können. Dies führt zu einer echten chemischen Vernetzung, bei der kovalente Bindungen entstehen. Diese chemische Verbindung ist um ein Vielfaches stärker als die reine physikalische Haftung und sorgt für eine extrem hohe Beständigkeit gegen mechanische Beanspruchung und chemische Einflüsse.

Einfluss der Oberflächenspannung

Die Oberflächenspannung eines Materials gibt an, wie stark seine Moleküle zusammenhalten. Ein Lack mit hoher Oberflächenspannung perlt von einem Untergrund mit niedriger Oberflächenspannung ab. Umgekehrt haftet ein Lack mit niedriger Oberflächenspannung gut auf einem Untergrund mit hoher Oberflächenspannung. Haftgründe sind so formuliert, dass sie die Oberflächenspannung des Untergrunds erhöhen oder die des Lacks verringern, um diese Diskrepanz zu überbrücken.

Betrachtet man die Anwendung von Haftgrund für Lack auf unterschiedlichsten Materialien, wird die Notwendigkeit dieser chemischen Anpassung deutlich. Ein Haftgrund, der für Glas oder glatten Kunststoff entwickelt wurde, muss die Oberflächenspannung drastisch verändern, um eine Haftung zu ermöglichen. Für poröse Materialien wie Beton mag die primäre Aufgabe des Haftgrunds eher darin bestehen, Staub zu binden und eine gleichmäßige Saugfähigkeit zu schaffen, während die chemische Haftung eine sekundäre Rolle spielt.

Die Kenntnis dieser Prinzipien hilft dabei, die Bedeutung jedes einzelnen Schritts im Lackierprozess zu verstehen und die Auswahl sowie Anwendung des Haftgrunds entsprechend zu optimieren, um ein professionelles und langlebiges Ergebnis zu erzielen.

Häufig gestellte Fragen zu Haftgrund für Lack

Die Anwendung von Haftgrund vor dem Lackieren wirft oft Fragen auf. Hier beantworten wir die wichtigsten, damit Sie bestens informiert sind.

Kann ich Haftgrund anstelle einer Grundierung verwenden?

Obwohl Haftgrund und Grundierung beide zur Vorbereitung der Oberfläche dienen, sind ihre Funktionen unterschiedlich. Haftgrund ist primär für die Verbesserung der Haftung auf schwierigen, glatten oder nicht saugfähigen Untergründen konzipiert. Eine Grundierung dient eher dazu, die Saugfähigkeit zu regulieren, tiefe Unebenheiten auszufüllen oder eine bestimmte Farbaschicht zu legen. Für optimale Ergebnisse sollte man beide Produkte je nach Bedarf und Untergrund einsetzen, wobei der Haftgrund oft zuerst aufgetragen wird.

Wie lange muss Haftgrund trocknen, bevor ich lackieren kann?

Die Trocknungszeit variiert stark je nach Produkt und Hersteller. Lesen Sie immer die Anweisungen auf der Verpackung. In der Regel muss der Haftgrund sichtbar trocken sein und eine feste Oberfläche bilden, bevor der Lack aufgetragen wird. Dies kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden dauern. Beachten Sie auch die maximale Überarbeitungszeit, nach der die Haftwirkung nachlassen kann.

Muss ich auf jeden Untergrund Haftgrund auftragen?

Nicht jeder Untergrund benötigt zwingend Haftgrund. Poröse und saugfähige Materialien wie unbehandeltes Holz oder Gipskarton nehmen Lack meist gut auf. Haftgrund ist vor allem auf glatten, nicht saugfähigen Oberflächen wie Glas, Keramik, Metall oder bestimmten Kunststoffen sowie auf sehr glatten, alten Lackschichten oder Fliesen von großem Nutzen, um eine dauerhafte Haftung zu gewährleisten.

Kann ich Haftgrund überlackieren?

Ja, das ist die Hauptfunktion von Haftgrund. Er ist dazu bestimmt, eine tragfähige Oberfläche für nachfolgende Lackschichten zu bilden. Stellen Sie sicher, dass der Haftgrund die vom Hersteller angegebene Trocknungszeit eingehalten hat, bevor Sie mit dem Lackauftrag beginnen, um optimale Haftung und ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen.

Welcher Haftgrund ist der beste für Kunststoff?

Für Kunststoffe sollten Sie einen speziellen Kunststoff-Haftgrund verwenden. Diese Produkte sind so formuliert, dass sie die Oberfläche des Kunststoffs leicht anlösen und so eine chemische und mechanische Verbindung ermöglichen, ohne das Material zu beschädigen. Achten Sie auf die genaue Angabe des Kunststofftyps (z.B. PP, ABS, PVC), falls auf dem Produkt angegeben.

Kann Haftgrund auch auf feuchten Untergründen angewendet werden?

Generell sollte Haftgrund nur auf trockenen, sauberen Oberflächen aufgetragen werden. Feuchtigkeit kann die Haftung des Haftgrunds erheblich beeinträchtigen und zu Blasenbildung oder Ablösungen führen. Prüfen Sie immer die Herstellerangaben bezüglich der maximal zulässigen Restfeuchte des Untergrunds.

Ist Haftgrund immer transparent?

Nein, Haftgründe sind nicht immer transparent. Es gibt sie in transparenten, weißlichen oder auch farbigen Varianten. Transparente Haftgründe sind universell einsetzbar. Weiße oder farbige Haftgründe können vorteilhaft sein, wenn sie als erste Schicht unter einem ebenfalls hellen oder farbigen Lack dienen und so eine bessere Deckkraft des Endanstrichs unterstützen.