Was bedeutet Haftgrund Fliese auf Fliese?

Der Begriff „Haftgrund Fliese auf Fliese“ bezieht sich auf die Anwendung eines speziellen Grundierungsmittels (Haftgrund) auf einer bestehenden Fliesenoberfläche, bevor neue Fliesen darauf verlegt werden. Dies ist eine gängige Methode, um alte, intakte Fliesen als Untergrund für neue Beläge zu nutzen, ohne diese aufwendig entfernen zu müssen. Der Haftgrund schafft eine ideale Haftbrücke zwischen der glatten, oft nicht saugfähigen Oberfläche der alten Fliesen und dem neuen Fliesenkleber, was für die Langlebigkeit und Stabilität des neuen Belags unerlässlich ist.

  • Haftgrund verbessert die Verbindung zwischen alten und neuen Fliesen.
  • Verhindert Abplatzen und Lockerwerden durch optimale Haftung.
  • Ermöglicht das Überkleben statt Entfernen bestehender Fliesen.
  • Wichtig für glatte und wenig saugfähige Untergründe.

Die Notwendigkeit der Grundierung bei Fliesenrenovierungen

Viele Renovierungsprojekte beinhalten das Erneuern von Fliesen in Badezimmern, Küchen oder auf Terrassen. Anstatt die alten Fliesen mühsam abzuschlagen und den damit verbundenen Schutt und Aufwand zu haben, bietet die Methode „Fliese auf Fliese“ eine praktikable Alternative. Diese Technik ist jedoch nur dann erfolgreich und dauerhaft, wenn der Untergrund optimal vorbereitet ist. Alte Fliesenoberflächen sind typischerweise sehr glatt, nicht saugfähig und potenziell fett- oder seifenverschmutzt. Ohne eine geeignete Grundierung hätte der neue Fliesenkleber kaum Halt, was zu einem schnellen Versagen des neuen Belags führen würde. Der Haftgrund schafft hier Abhilfe.

Funktion und Vorteile von Haftgrund im Fliesenprojekt

Die primäre Funktion eines Haftgrunds in diesem Szenario ist die Erhöhung der Adhäsion. Er dringt in feine Poren ein, die auf der Oberfläche der alten Fliese vorhanden sind oder durch den Haftgrund selbst erzeugt werden, und bildet eine raue, griffige Schicht. Diese Schicht bietet dem nachfolgenden Fliesenkleber eine deutlich bessere Anhaftungsbasis als die glatte Originalfliese. Die Vorteile sind vielfältig: Geringerer Zeit- und Arbeitsaufwand im Vergleich zur Entsorgung alter Fliesen, Reduzierung von Bauschutt, Möglichkeit der Schichtdickenanpassung und insbesondere die Gewährleistung einer sicheren, dauerhaften Verbindung. Dies minimiert das Risiko von Hohlstellen, Rissen oder dem Ablösen einzelner Fliesen unter Belastung.

Bringen Sie die alte Fliesenoberfläche vor dem Auftragen des Haftgrunds unbedingt gründlich auf Sauberkeit und Fettfreiheit.

Unterschiedliche Haftgründe: Wann welcher Typ?

Nicht jeder Haftgrund ist für jede Oberfläche und jedes Projekt gleich gut geeignet. Für das Überkleben von Fliesen kommen meist spezielle Tiefengrunde oder Haftvermittler zum Einsatz, die auf glatten und nicht saugfähigen Untergründen wie Keramikfliesen, Glas oder alten Lackanstrichen optimiert sind. Sie enthalten oft Quarzsand oder ähnliche Granulate, um eine körnige Struktur zu schaffen, die dem Kleber Halt gibt. Ein Haftgrund für Fliese auf Fliese muss also explizit für solche nicht-saugfähigen Oberflächen ausgewiesen sein. Bitumen-Haftgründe sind beispielsweise eher für Beton oder Estrich gedacht und weniger geeignet, während spezielle Acryl- oder Epoxidharz-basierte Haftvermittler oft die erste Wahl für Glasuren und Fliesen sind.

Technische Spezifikationen und Anwendungsbereiche

Die technischen Datenblätter der Hersteller geben Aufschluss über die genaue Zusammensetzung, die Trocknungszeit, die Ergiebigkeit und die spezifischen Untergründe, für die ein Haftgrund zugelassen ist. Typischerweise sind diese Produkte wasserbasiert oder lösungsmittelhaltig und werden mit Pinsel, Rolle oder Sprühgerät aufgetragen. Die Trocknungszeit variiert je nach Produkt und Umgebungsbedingungen, liegt aber oft zwischen 2 und 24 Stunden. Die Anwendungsbereiche sind breit gefächert: Neben dem direkten Überkleben von Fliesen eignet sich ein geeigneter Haftgrund auch zur Vorbereitung von Betonböden für Fliesen, zur Behandlung von Gipsplatten oder alten Farbschichten, sofern diese fest haften.

Vorbereitung: Der Schlüssel zum Erfolg bei Fliese auf Fliese

Bevor Sie überhaupt an das Auftragen von Haftgrund denken, ist die gründliche Vorbereitung des Untergrunds – in diesem Fall der alten Fliesen – absolut entscheidend für den Erfolg. Eine sorgfältige Reinigung und gegebenenfalls eine leichte Aufrauung sind unerlässlich, damit der Haftgrund seine volle Wirkung entfalten kann. Ignorieren Sie diesen Schritt, wird selbst der beste Haftgrund keine ausreichende Haftung erzielen können.

Schritt 1: Gründliche Reinigung der alten Fliesen

Die Oberfläche der alten Fliesen muss frei von jeglichem Schmutz, Fett, Seifenresten, Wachs oder alten Kleberrückständen sein. Diese Substanzen wirken wie Trennmittel und verhindern, dass der Haftgrund und später der Fliesenkleber eine feste Verbindung eingehen können. Verwenden Sie einen geeigneten Reiniger, der Fett und Seife effektiv löst. Oft sind alkalische Reiniger oder spezielle Fliesenreiniger ratsam. Nach der Reinigung muss die Fläche gründlich mit klarem Wasser abgespült werden, um alle Reinigerreste zu entfernen. Lassen Sie die Fliesen vollständig trocknen, bevor Sie mit dem nächsten Schritt fortfahren. Feuchtigkeit ist ein weiterer Feind einer guten Haftung.

Schritt 2: Überprüfung der alten Fliesen auf Festigkeit und Beschädigungen

Bevor Sie neue Fliesen auf alte kleben, ist eine kritische Prüfung der vorhandenen Fliesen unerlässlich. Sind einzelne Fliesen locker, hohl klingend oder weisen Risse auf, müssen diese Stellen saniert oder die betroffenen Fliesen ersetzt werden. Ein Haftgrund kann keine strukturellen Mängel beheben. Lose Fliesen müssen entfernt und die Lücken mit geeignetem Reparaturmörtel gefüllt und geglättet werden. Hohlstellen unter intakten Fliesen können manchmal mit Injektionsharzen gefüllt werden, was aber oft spezialisiertes Wissen erfordert. Nur ein fester, tragfähiger Untergrund ist die Basis für ein neues Fliesenprojekt.

Schritt 3: Oberflächenbehandlung zur Haftungsverbesserung (optional, aber empfohlen)

Bei sehr glatten und porenfreien Fliesenoberflächen, wie sie beispielsweise bei polierten Feinsteinzeugen oder glasierten Keramikfliesen vorkommen, kann eine zusätzliche Oberflächenbehandlung sinnvoll sein. Das Abschleifen mit feinem Schleifpapier (Körnung 120-180) kann winzige Kratzer erzeugen, die dem Haftgrund zusätzliche „Ankerpunkte“ bieten. Dies sollte jedoch mit Bedacht geschehen, um die Glasur nicht zu stark zu beschädigen. Wichtig ist, nach dem Schleifen den entstandenen Staub sofort und gründlich zu entfernen. Eine Alternative, die oft weniger invasiv ist, ist die Verwendung eines speziellen Haftgrunds, der bereits stark haftvermittelnde Eigenschaften für glatte Oberflächen besitzt.

Schritt 4: Schutz von angrenzenden Flächen

Denken Sie daran, angrenzende Bauteile wie Wände, Sanitärkeramik, Türrahmen oder Fensterlaibungen zu schützen. Kleben Sie diese Bereiche sorgfältig mit Malerkrepp ab, um ungewollte Spritzer oder Verschmutzungen durch den Haftgrund zu vermeiden. Ein sauberer Arbeitsbereich erleichtert nicht nur die anschließende Arbeit, sondern auch die Endreinigung erheblich. Die sorgfältige Abklebung schützt Ihre vorhandene Einrichtung und spart Nacharbeit.

Haftgrund Fliese auf Fliese auftragen: Schritt für Schritt

Das Auftragen des Haftgrunds ist ein technischer Prozess, der Präzision erfordert, um die bestmögliche Haftung für die nachfolgenden Fliesen zu gewährleisten. Befolgen Sie die folgenden Schritte sorgfältig, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Schritt 1: Auswahl des richtigen Haftgrunds

Wählen Sie einen Haftgrund, der explizit für die Anwendung auf glatten, nicht saugfähigen Oberflächen wie Keramikfliesen ausgewiesen ist. Achten Sie auf Produkte, die als „Haftvermittler“ oder „Grundierung für Fliese auf Fliese“ gekennzeichnet sind. Diese enthalten in der Regel feinen Quarzsand oder ähnliche Aggregatpartikel, die eine griffige Oberfläche für den Fliesenkleber schaffen. Lesen Sie unbedingt das technische Merkblatt des Herstellers, um sicherzustellen, dass das Produkt für Ihren spezifischen Untergrund geeignet ist. Der Haftgrund für Beton oder Estrich (oft ein Tiefengrund) ist in der Regel nicht die beste Wahl für glatte Fliesen.

Schritt 2: Vorbereitung des Haftgrunds

Vor der Anwendung muss der Haftgrund in der Regel gut aufgerührt werden, insbesondere wenn er Füllstoffe wie Quarzsand enthält. Diese Partikel können sich am Boden des Gebindes absetzen. Rühren Sie das Produkt gründlich durch, bis eine homogene Masse ohne Klumpen entsteht. Beachten Sie die Anweisungen des Herstellers bezüglich Verdünnung – einige Produkte sind gebrauchsfertig, andere müssen eventuell mit Wasser verdünnt werden. Verwenden Sie nur saubere Werkzeuge (Rührstab, Eimer).

Schritt 3: Auftragen des Haftgrunds

Der Haftgrund wird üblicherweise mit einer kurzflorigen Rolle, einem Pinsel oder einem Spachtel aufgetragen. Für größere Flächen ist eine Rolle am effizientesten. Tragen Sie den Haftgrund gleichmäßig und in einer dünnen, aber deckenden Schicht auf. Vermeiden Sie Pfützenbildung oder stehende Nässe. Arbeiten Sie systematisch vor, um keine Bereiche auszulassen. Achten Sie darauf, dass die gesamte zu befließende Fläche gut abgedeckt ist. Eine gleichmäßige Verteilung des Haftgrunds ist entscheidend für eine homogene Haftung.

Schritt 4: Trocknungszeit beachten

Nach dem Auftragen muss der Haftgrund vollständig durchtrocknen. Die Trocknungszeit variiert je nach Produkt, Temperatur und Luftfeuchtigkeit erheblich und kann von wenigen Stunden bis zu über einem Tag reichen. Die genauen Angaben finden Sie auf der Produktverpackung oder im technischen Merkblatt. Der Haftgrund ist trocken, wenn er sich nicht mehr klebrig anfühlt und eine matte, griffige Oberfläche bildet. Eine zu frühe Weiterverarbeitung kann die Haftung beeinträchtigen.

Schritt 5: Kontrolle nach der Trocknung

Nachdem der Haftgrund getrocknet ist, prüfen Sie die Oberfläche nochmals. Sie sollte nun eine leicht raue, sandige Struktur aufweisen, die eine gute Haftung für den Fliesenkleber ermöglicht. Sind noch glatte Stellen vorhanden oder hat sich der Haftgrund ungleichmäßig abgesetzt, kann eine zweite dünne Schicht erforderlich sein. Stellen Sie sicher, dass keine übermäßige Schichtdicke aufgetragen wurde, die die Ebenheit des Untergrunds beeinträchtigen könnte.

Der richtige Fliesenkleber und Fliesen für den Untergrund

Die Wahl des passenden Fliesenklebers und der Fliesen selbst ist ebenso wichtig wie die Vorbereitung des Untergrunds mit Haftgrund. Ein Haftgrund schafft zwar die Basis, doch die nachfolgenden Materialien müssen ebenfalls für die spezifische Situation geeignet sein.

Auswahl des Fliesenklebers

Für das Verlegen von Fliesen auf alten Fliesen mit Haftgrund empfiehlt sich in der Regel ein flexibler Dünnbettmörtel (Flexkleber). Diese Kleber sind elastischer und können kleine Bewegungen oder Spannungen zwischen den verschiedenen Schichten (alte Fliesen, Haftgrund, neuer Kleber, neue Fliesen) besser ausgleichen, ohne zu reißen. Produkte, die speziell für das „Fliese auf Fliese“-Verlegen gekennzeichnet sind, enthalten oft auch Zusätze, die die Haftung weiter verbessern und eine längere offene Zeit bieten, was bei größeren Flächen von Vorteil ist. Achten Sie auf die EN 12004-Normierung; Klasse C2 TE S1 oder S2 sind oft eine gute Wahl für diese Anwendung.

Eignung der neuen Fliesen

Grundsätzlich können die meisten Fliesenarten auf einer vorbereiteten alten Fliesenoberfläche verlegt werden. Bei sehr großen oder schweren Fliesen (z.B. großformatige Feinsteinzeuge) ist jedoch besondere Sorgfalt geboten. Diese Fliesen benötigen eine sehr ebene und stabile Unterkonstruktion. Stellen Sie sicher, dass die alten Fliesen fest sitzen und der Haftgrund sowie der gewählte Kleber auch für das Gewicht und die Dimensionen der neuen Fliesen ausgelegt sind. Bei der Verlegung im Außenbereich oder in Feuchträumen müssen die Fliesen und der Kleber entsprechend zertifiziert sein.

Haftgrund Beton und Estrich vs. Haftgrund Fliesen

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einem Haftgrund für mineralische Untergründe wie Beton oder Estrich und einem Haftgrund für bereits geflieste Oberflächen zu verstehen. Ein Tiefengrund für mineralische Untergründe dringt tief ein, um Staub zu binden und die Saugfähigkeit zu regulieren. Ein Haftgrund für Fliese auf Fliese ist hingegen darauf ausgelegt, auf glatten, nicht saugfähigen Oberflächen zu haften und eine körnige Struktur zu erzeugen. Die Verwendung des falschen Haftgrunds kann dazu führen, dass die gesamte Konstruktion nicht hält. Prüfen Sie immer die Produktbeschreibung des Haftgrunds genau auf die Eignung für Fliesenuntergründe.

Die Kombination aus einem geeigneten Haftgrund und einem flexiblen Fliesenkleber ist entscheidend für die Haltbarkeit des neuen Belags.

Häufige Fehler und wie man sie vermeidet

Beim Renovieren mit der „Fliese auf Fliese“-Methode können einige typische Fehler auftreten, die den Erfolg des Projekts gefährden. Das Bewusstsein für diese Fallstricke und deren Vermeidung sind essenziell.

Fehler 1: Unzureichende Untergrundvorbereitung

Der häufigste Fehler ist das Überspringen oder oberflächliche Ausführen der Reinigungs- und Entfettungsschritte. Fettfilme, Seifenreste oder Staub auf den alten Fliesen verhindern, dass der Haftgrund und der Kleber eine stabile Verbindung eingehen können. Dies führt dazu, dass die neuen Fliesen nach kurzer Zeit abplatzen oder sich lösen. Eine gründliche Reinigung mit einem geeigneten Fettlöser und anschließendes Abspülen mit klarem Wasser sind unerlässlich.

Fehler 2: Falscher Haftgrund gewählt

Die Verwendung eines Haftgrunds, der nicht für glatte, nicht saugfähige Oberflächen wie Fliesen geeignet ist (z.B. ein reiner Tiefengrund für saugende Untergründe), ist ein gravierender Fehler. Solche Produkte können keine ausreichende Haftbrücke bilden. Prüfen Sie immer die Produktangaben des Haftgrunds auf seine Eignung für den Untergrund. Ein Haftgrund, der Quarzsand oder ähnliche Haftvermittler enthält, ist in der Regel die richtige Wahl für Fliese auf Fliese.

Fehler 3: Zu frühe Weiterverarbeitung

Das Auftragen des Fliesenklebers, bevor der Haftgrund vollständig durchgetrocknet ist, ist ein weiterer häufiger Fehler. Die Trocknungszeit variiert je nach Produkt und Umgebungsbedingungen. Wenn der Haftgrund noch feucht ist, kann er seine Struktur nicht richtig ausbilden und kann die Haftung des Klebers beeinträchtigen. Halten Sie sich strikt an die vom Hersteller empfohlenen Trocknungszeiten.

Fehler 4: Hohlstellen oder lose alte Fliesen ignoriert

Wenn die alten Fliesen nicht fest auf dem Untergrund haften oder Hohlstellen aufweisen, kann die neue Fliesenkonstruktion nicht dauerhaft sein. Der Haftgrund und der neue Kleber können das Problem der Instabilität nicht beheben. Prüfen Sie die alten Fliesen durch Abklopfen und beheben Sie lose Stellen oder Hohlräume vor dem Grundieren. Ein stabiler Untergrund ist die unabdingbare Grundlage für jede Fliesenverlegung.

Fehler 5: Ungleichmäßiger Auftrag von Haftgrund oder Kleber

Ein ungleichmäßiger Auftrag von Haftgrund führt zu unterschiedlichen Haftbereichen. Ebenso kann eine ungleichmäßige Verteilung des Fliesenklebers, z.B. durch unregelmäßiges Auskämmen mit der Zahnkelle, zu Hohlräumen unter den neuen Fliesen führen. Diese Hohlräume sind nicht nur optisch störend, sondern können auch Feuchtigkeit ansammeln und langfristig zu Problemen führen. Achten Sie auf eine sorgfältige und gleichmäßige Verarbeitung beider Materialien.

Haftgrund Fliese auf Fliese in Feuchträumen und Außenbereichen

Die Anforderungen an die Haftung und Beständigkeit steigen signifikant, wenn der Haftgrund und die neuen Fliesen in Bereichen mit erhöhter Feuchtigkeit oder direkter Witterungseinfluss zum Einsatz kommen.

Besondere Anforderungen in Feuchträumen

In Bädern, Duschen oder Saunen ist die Belastung durch Feuchtigkeit und wechselnde Temperaturen hoch. Der Haftgrund muss hier nicht nur eine starke Haftung gewährleisten, sondern auch beständig gegen Feuchtigkeit sein. Achten Sie darauf, dass der gewählte Haftgrund für den Einsatz in Feuchträumen geeignet ist und die nachfolgenden Abdichtungsarbeiten (falls erforderlich) damit kompatibel sind. Viele moderne Fliesenkleber und Haftgründe für den Fliesenbereich sind bereits auf diese Bedingungen abgestimmt. Die Fugen müssen ebenfalls sorgfältig abgedichtet werden, um das Eindringen von Wasser hinter die Fliesen zu verhindern.

Haftgrund für Außenbereiche – Terrassen und Balkone

Die Verlegung von Fliesen auf Balkonen oder Terrassen stellt höchste Anforderungen an das System. Frost-Tau-Wechsel, starke Sonneneinstrahlung und mechanische Belastungen erfordern spezielle Produkte. Ein Haftgrund für den Außenbereich muss frostbeständig und wasserfest sein. Oft werden hier spezielle, zementäre oder kunstharzgebundene Haftgrundsysteme empfohlen, die eine extrem starke und dauerhafte Verbindung schaffen. Der Fliesenkleber muss ebenfalls für den Außenbereich geeignet sein (z.B. Frostbeständigkeit, hohe Fließfähigkeit für volle Benetzung).

Die Wahl des richtigen Haftgrunds für diese anspruchsvollen Bereiche ist entscheidend. Ein Standard-Haftgrund für Innenräume reicht hier oft nicht aus und kann zu Schäden führen. Informieren Sie sich gezielt über Produkte, die für die spezifischen Umgebungsbedingungen zertifiziert sind.

Kombination mit Abdichtungsmaßnahmen

In vielen Feuchträumen und fast immer im Außenbereich sind zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen erforderlich, bevor die Fliesen verlegt werden. Der Haftgrund bildet die Basis für die nachfolgende Dichtschicht (z.B. eine flüssige Dichtfolie oder eine Dichtbahn). Stellen Sie sicher, dass der Haftgrund mit der gewählten Abdichtungsbahn oder -folie kompatibel ist. Oft wird der Haftgrund direkt auf den vorbereiteten Untergrund (z.B. Beton, Estrich oder alte Fliesen) aufgetragen, darauf folgt die Abdichtung, und erst dann der Fliesenkleber. Die genaue Reihenfolge und Materialauswahl sind produktspezifisch und sollten dem technischen Merkblatt entnommen werden.

Wann ist die Methode „Fliese auf Fliese“ sinnvoll?

Die Entscheidung, neue Fliesen auf bestehende Fliesen zu verlegen, ist nicht immer die beste Wahl, aber oft eine sehr praktische und zeitsparende Option. Es gibt klare Kriterien, wann sich diese Methode besonders anbietet.

Vorteile der „Fliese auf Fliese“-Technik

Der Hauptvorteil liegt in der erheblichen Zeit- und Arbeitsersparnis. Das Entfernen alter Fliesen ist ein schmutziges, lautes und zeitaufwendiges Unterfangen. Durch das Überkleben entfällt dieser Schritt komplett. Dies reduziert den Bauschutt und minimiert die Unterbrechung der Nutzung des Raumes. Zudem wird die Aufbauhöhe des Bodens oder der Wand nur geringfügig erhöht, was bei Türdurchgängen oder der Integration von Fußleisten von Vorteil sein kann. Ein gut ausgeführter „Fliese auf Fliese“-Belag kann genauso langlebig und robust sein wie ein auf neuem Untergrund verlegter.

Grenzen und Nachteile

Diese Methode ist nicht für jede Situation geeignet. Sie setzt voraus, dass der vorhandene Fliesenbelag fest und schadlos ist. Lose, abplatzende oder stark beschädigte Fliesen müssen ersetzt oder der Untergrund anderweitig vorbereitet werden. Auch bei stark unebenen oder unregelmäßigen alten Fliesen kann das Ergebnis nicht zufriedenstellend sein, da der Haftgrund und der Kleber keine größeren Höhenunterschiede ausgleichen können. Zudem ist die Haftung auf extrem glatten oder polierten Oberflächen ohne spezielle Produkte und Vorbereitung eine Herausforderung. Die Integrität des alten Fliesenbelags ist die absolute Grundvoraussetzung.

Typische Anwendungsbereiche

Die Technik ist besonders beliebt bei der Renovierung von Badezimmern und Küchen, wo alte Fliesen in gutem Zustand sind und eine Modernisierung gewünscht ist. Auch auf kleinen Flächen oder bei komplizierten Grundrissen, wo das Abtragen alter Fliesen besonders mühsam wäre, bietet sie sich an. Im privaten Bereich wird sie häufig angewendet, um schnell und mit überschaubarem Aufwand ein optisch ansprechendes Ergebnis zu erzielen. Sie ist eine exzellente Lösung, wenn die alte Fliesung zwar optisch nicht mehr gefällt, aber technisch noch einwandfrei ist.

Das richtige Werkzeug und Material für die Fliesenverlegung

Neben dem Haftgrund und dem Fliesenkleber ist die Auswahl des passenden Werkzeugs für die erfolgreiche Umsetzung Ihres Fliesenprojekts unerlässlich. Eine gute Ausrüstung erleichtert die Arbeit und sorgt für ein professionelles Endergebnis.

Werkzeuge für die Vorbereitung und Grundierung

Für die Reinigung benötigen Sie Reinigungsmittel, Schwämme, Tücher und eventuell eine Bürste. Zum Schutz angrenzender Flächen sind Malerkrepp und Abdeckfolie notwendig. Zum Auftragen des Haftgrunds eignen sich kurzflorige Farbrollen, Pinsel oder Spachtel, je nach Produkt und Untergrund. Ein Rührwerk oder ein Quirl für den Akkuschrauber ist hilfreich, um den Haftgrund oder den Fliesenkleber klumpenfrei anzumischen. Ein Eimer für die Materialien und eventuell eine Schutzbrille und Handschuhe sind ebenfalls wichtig.

Werkzeuge für die Fliesenverlegung

Die wichtigste Werkzeugkomponente ist die Zahnkelle. Die Größe der Zähne richtet sich nach der Fliesengröße und der Art des Klebers; für größere Fliesen werden in der Regel größere Zahnungen empfohlen, um eine vollständige Benetzung der Rückseite zu gewährleisten. Für die Verlegung auf alten Fliesen mit Haftgrund sind oft Zahnsysteme geeignet, die eine sehr gute Kleberabdeckung sicherstellen (z.B. U-förmige oder rechteckige Zähne). Wasserwaage, Fliesenleger-Abstandshalter (Fliesenkreuze), ein Gummihammer zum leichten Klopfen und ein Fliesenschneider oder eine Fliesen-Nassschneidemaschine für Zuschnitte sind ebenfalls Standardwerkzeuge.

Zusätzliche Materialien

Neben Haftgrund und Fliesenkleber benötigen Sie die neuen Fliesen, eventuell Ausgleichsmaterialien für kleine Unebenheiten, und Fugenmörtel für die Fugen zwischen den Fliesen sowie eventuell Silikon für Eck- und Anschlussfugen. Achten Sie darauf, dass die gewählten Materialien (Haftgrund, Kleber, Fugenmörtel) chemisch miteinander und mit dem Untergrund kompatibel sind. Die sorgfältige Auswahl des gesamten Materialsystems ist für die Langlebigkeit entscheidend.